Pressemitteilung des DPR:


1 €-Jobs keine Lösung für Versorgungsengpässe in der Altenhilfe


Berlin (10. März 2010) – Der Deutsche Pflegerat e.V. (DPR) als
Bundesarbeitsgemeinschaft des Pflege- und Hebammenwesens sieht die
Problematik der hohen Arbeitslosigkeit und insbesondere der großen Zahl an
Menschen, die keine Chance für eine Anstellung im erlernten Beruf haben,
keine adäquate Bezahlung erhalten oder keinen Zugang zu einer
Berufausbildung haben. Dies ist gesellschaftlich eine große Herausforderung
und eine große Belastung für die Betroffenen. Die Pflegebranche - als eine
der wenigen Wachstumsbranchen - bietet hier eine Chance. Allerdings
entdecken immer wieder – meist fachfremde - Politiker darin eine
Gelegenheit für rasche Beschäftigung von möglichst vielen Menschen zum
Billigtarif: Zwei Probleme mit einer Initiative gelöst. In diese Kategorie
fällt auch der Vorstoß von Frau Kraft.
Die Versorgung und Betreuung alter, pflegebedürftiger Menschen ist aber
nicht ganz so einfach zu lösen. Es werden ständig quantitative und
qualitative Anforderungen voneinander getrennt betrachtet. “Mehr Hände und
Füße haben Priorität – mehr Köpfe sind scheinbar nicht so wichtig, das ist
offensichtlich das Motto dieser Vorschläge” sagt Franz Wagner,
Vize-Präsident des DPR. Langzeitarbeitslos zu sein ist kein Hinderungsgrund
für eine pflegerische Berufstätigkeit, aber auch keine ausreichende
Qualifikation, so Wagner weiter. Eine ständig wachsende Gruppe von gering
oder gar nicht ausgebildeten Helfern soll sich den wachsenden
Versorgungsbedarfen entgegenstellen. Dies macht nur Sinn, wenn diese Helfer
Teil eines funktionierenden Teams sind, in dem eine ausreichende Zahl hoch
qualifizierter Fachkräfte vorhanden ist. Leider wurde und wird Letzteres
chronisch vernachlässigt. So entsteht in der Öffentlichkeit und bei den
Pflegefachkräften immer wieder der Eindruck “Pflegen kann doch jeder”. In
den Einrichtungen nimmt die Zahl der Bewohner zu, die eine Pflegefachkraft
betreuen muss. Sie ist dabei umgeben von immer mehr Helfern. Eine
qualifizierte, planmäßige und individuell angepasste Betreuung wird dadurch
zunehmend unmöglich. Die Anleitung und Überwachung der verschiedene Helfer
immer weniger leistbar. Das wird weder den berechtigten Erwartungen und
Bedürfnissen der Bewohner noch den 1-€-Helfern gerecht!

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