Statement zum Gutachten „Kooperation und Verantwortung – Voraussetzungen einer zielorientierten Gesundheitsversorgung“ des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen vom Juli 2007


Die BALK e. V. Landesgruppe Baden-Württemberg begrüßt das Gutachten und die darin enthaltenen Aussagen als wichtigen Beitrag zu einer qualitativ hochwertigen Patientenversorgung in unserer Republik. Die darin geforderte Abkehr von den tradierten Mustern einer Fokussierung auf Einzelinteressen der jeweiligen Berufsgruppe hin zu einer Kooperation der Gesundheitsberufe kann für alle Beteiligten, insbesondere für die Patienten nur vorteilhaft sein.

Mit dem vorliegenden Gutachten sind Rahmenbedingungen für einen Neuzuschnitt der Aufgabenverteilung im Gesundheitswesen geschaffen. Die daraus resultierenden Qualifikationsprofile der einzelnen Gesundheitsfachberufe muss auf dieser Basis neu definiert werden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen überprüft und entsprechend angepasst werden, um die bis dato vielfach bestehende Rechtsunsicherheit zu klären.
Wichtig ist im Zusammenhang mit der Neudefinition der Aufgabenverteilung zwischen den einzelnen Berufsgruppen der Duktus, unter welchem die Diskussion geführt wird. In Publikationen geht es immer wieder um die Übernahme ärztlicher Tätigkeiten durch andere Gesundheitsfachberufe. Unter dieser Überschrift wird es schwierig sein, die anstehende Diskussion auf sachlich inhaltlicher Ebene zu führen. Vielmehr besteht ein hohes Risiko, dass eine starke Emotionalisierung den fachlichen Diskurs behindert, im Extremfall sogar verhindert.
Es geht nicht darum, welche Berufsgruppe Teilaufgaben einer anderen Berufsgruppe übernimmt, weil diese sich vielleicht heute in einem „Notstand“ befindet. Morgen herrscht vielleicht in einem anderen Gesundheitsberuf ein Mangel an Fachkräften, was dann neuerlich zur Diskussion führen würde, wer jetzt die Aufgaben von dieser Berufsgruppe übernimmt.
Nur mit dem Duktus einer qualitativ hochwertigen, effektiven und effizienten Patientenversorgung lässt sich der Neuzuschnitt der Aufgabenverteilung zielorientiert und zukunftsweisend besprechen.

Weiterhin bieten sich Chancen, die professionelle Pflege als eigenständigen Leistungserbringer im Gesundheitssystem zu etablieren. Die eigenständige Verordnung von Pflegehilfsmitteln, Inkontinenzversorgung etc. im ambulanten Bereich und in Pflegeeinrichtungen ist künftig denkbar. Ein weiteres Aufgabenfeld wird sicherlich der Bereich der  Primärprävention und der Beratung von Patienten und Angehörigen sein.

Um die anstehenden Aufgaben adäquat erfüllen zu können, braucht die Pflege einen Zugang zu den Informationen auf der elektronischen Gesundheitskarte, die in absehbarer Zeit flächendeckend für alle Versicherten eingeführt wird. Derzeit ist dieser Zugang über den Besitz eines Heilberufeausweises geregelt, der nur an die verkammerten Berufe im Gesundheitswesen vergeben wird.
Hier muss dringend über die Einrichtung eines elektronischen Gesundheitsberuferegisters (eGBR) der Zugang für die nicht verkammerten Gesundheitsberufe geregelt werden.


AKTUELL:

Die Gesundheitsministerkonferenz hat sich intensiv mit dieser Thematik befasst und in der Sitzung vom 05. Juli 2007 die Einrichtung eines elektronischen Gesundheitsberuferegisters (eGBR) beschlossen.

Es liegt jetzt an der Berufsgruppe der professionell Pflegenden, die Chancen, die sich aus dem vorliegenden Gutachten ergeben, zu nutzen und sich proaktiv in die anstehenden Diskussionen einzubringen.

Peter Bechtel
Vorsitzender Landesgruppe Baden-Württemberg der BALK




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