P r e s s e m i t t e i l u n g

Sachverständigen-Gutachten Meilenstein für effizientere Patientenversorgung


BERLIN (5. Juli 2007) – „Als Meilenstein auf dem Weg zu einer qualitativ verbesserten Patientenversorgung“ stuft der Deutsche Pflegerat e.V. (DPR) das neue Gutachten des Sachverständigenrates für das Gesundheitswesen ein. „Die Gesundheitsweisen haben die langjährige Forderung der Pflegeverbände nach erweiterten Kompetenzen für die Berufsgruppe Pflege in ihre Empfehlungen aufgenommen“, betont Ratspräsidentin Marie-Luise Müller.

Ziel einer neuen Arbeitsteilung im Gesundheitswesen müsse eine „effizientere Patientenversorgung“ sein. Insbesondere in ländlichen Regionen funktioniere das „ausschließlich auf Ärzte ausgerichtete Versorgungssystem nicht mehr“, so Müller. Behauptungen von Ärztefunktionären, es gehe der Pflege vor allem um „Selbstverwirklichungswünsche“, weist sie entschieden zurück. „Wir sollten eine neue Form der Zusammenarbeit im Dienste einer besseren Patientenversorgung nicht durch unnötige Polemik blockieren.“

Die Gesundheits-Sachverständigen schlagen in ihrem am Dienstag (3. Juli) in Berlin vorgestellten Gutachten unter anderem vor, Pflegefachkräfte künftig mit deutlich mehr Kompetenzen auszustatten. Ambulante Pflegedienste sollen danach beispielsweise Hilfsmittel verschreiben dürfen. Bislang liegt die Verordnungshoheit allein bei Ärzten. Der Pflegerat hält das seiner Meinung nach „medizinisch dominierte Verordnungssystem“ seit langem für reformbedürftig.

Wenn eine Neustrukturierung der Gesundheitsversorgung zielorientiert sein soll, müsse es bei Neuverortung von Tätigkeiten nicht um Delegation, sondern um Allokation gehen. Tradierte Rollen und Macht gehörten dabei zuallererst auf den Prüfstand – „auch wenn das schmerzt“. Die aktive Beteiligung nicht-ärztlicher Gesundheitsberufe an der Entwicklung der Gesundheitsversorgung dürfe aber nicht bloß Lippenbekenntnis bleiben. „Die Politik muss die Empfehlungen der Wissenschaftler auch umsetzen“, fordert der DPR.

Qualitätsansprüche in der Pflege enorm gestiegen

Der Deutsche Pflegerat weist darauf hin, dass die Qualitätsansprüche in der Gesundheits- und Krankenpflege in den vergangenen Jahren enorm gestiegen sind. So gäbe es heute beispielsweise an Universitäten und Fachhochschulen mehr als 50 verschiedene Pflegestudiengänge. „Über 10.000 Studienabsolventen bringen jeden Tag ein fundiertes Wissen in die Weiterentwicklung unseres Gesundheitswesens ein“, so Müller. Diese Potenzial dürfe nicht ungenutzt bleiben. Im Krankenhaus könnten qualifizierte Pflegekräfte künftig eigenständig Aufnahme, Entlassung und Überleitung der Patienten organisieren, Therapieleistungen wie Infusionen verabreichen oder Blutentnahmen und die Wundversorgung vornehmen. Im ambulanten Bereich sei es denkbar, dass Pflegedienste bestimmte Hilfsmittel wie Pflegehilfsmittel oder Wundauflagen verordnen und Patienten sowie Angehörige beraten oder präventive Hausbesuche durchführen.

Pflege braucht den Heilberufeausweis

Für die Übernahme solcher Aufgaben aus dem ärztlichen Bereich liegen bereits innerhalb der Pflegeprofession klare Bildungs- und Qualitätskriterien vor. Diese würden konsequent weiter entwickelt, so Müller. Außerdem müsse die Registrierung für beruflich Pflegende mit kontinuierlichem Fortbildungsnachweis verpflichtend werden. Bislang ist die Teilnahme an diesem Verfahren freiwillig. Darüber hinaus müssten die bislang nicht-verkammerten Pflegeberufe in den Besitz eines Heilberufeausweises (HBA) kommen, der ihnen den Zugang zur elektronischen Gesundheitskarte ermöglicht. Dies sei über die Einrichtung eines elektronischen Beruferegisters zu realisieren.

Der Deutsche Pflegerat e.V. (DPR) – Kurzporträt
Der Deutsche Pflegerat e.V. wurde 1998 gegründet, um die Positionen der Pflegeorganisationen einheitlich darzustellen und deren politische Arbeit zu koordinieren. Darüber hinaus fördert der Zusammenschluss aus zwölf Verbänden die berufliche Selbstverwaltung. Seit 2003 handelt der Deutsche Pflegerat e.V. als eingetragener, gemeinnütziger Verein. Als Bundesarbeitsgemeinschaft des Pflege- und Hebammenwesens und Partner der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen vertritt der Deutsche Pflegerat heute die insgesamt 1,2 Millionen Beschäftigten der Pflege. Über die berufliche Interessensvertretung hinaus ist der Einsatz für eine nachhaltige, qualitätsorientierte Versorgung der Bevölkerung oberstes Anliegen des Deutschen Pflegerates.

 


Weitere Informationen:

Deutscher Pflegerat e. V.
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Tel.: + 49 30 219157-57    Fax: +49 30 21 9157-77
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