Presseinformation vom 9. Oktober 2007

Sparpolitik der Kliniken geht erneut zu Lasten von Pflegekräften und Patienten. BALK ruft Politik auf, Personalabbau zu stoppen


(BERLIN) 9. Oktober 2007 – Angesichts der aktuellen Ergebnisse des „Krankenhausbarometers 2007“ des Deutschen Krankenhausinstituts befürchtet der Verband Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Pflegepersonen e. V. (BALK) weitere Versorgungsdefizite in der Patientenversorgung in bundesdeutschen Kliniken.
Bereits in den vergangenen Jahren sei durch eine fehlende Abbildung pflegerischer Leistungen innerhalb des DRG-Kataloges ein rasanter Personalabbau im Pflegebereich betrieben worden, der zu großen Risiken für Patienten und Mitarbeiter geführt habe. Der ökonomische Druck über die politischen Rahmenbedingungen habe außerdem bewirkt, dass auf vielen Stationen nicht einmal mehr eine Mindestbesetzung vorgehalten werden kann, lediglich noch eine Minimalbesetzung, die sich mit den bestehenden Qualitätsansprüchen nicht mehr vereinbaren lässt, kritisiert der Verband.
„Seit Jahren leisten die Kliniken ihren Beitrag zur Konsolidierung der schiefen Finanzsituation im Gesundheitswesen. Doch die Zitrone ist längst ausgequetscht. Selbst bei nachhaltigem Drücken kommt kein zusätzlicher Tropfen mehr heraus“, erklärt Peter Bechtel, stellvertretender BALK-Bundesvorsitzender.
Die rund 2.100 Krankenhäuser in Deutschland hätten zuletzt erhebliche Budgetabschläge und Tarifsteigerungen verkraften müssen. Im laufenden Jahr sei dann auch noch eine dreiprozentige Mehrwertsteuererhöhung ohne die entsprechende Budgeterhöhung hinzu gekommen. Dies hat nach Ansicht der BALK dazu geführt, dass in den vergangenen Jahren mehr als 30.000 Arbeitsplätze in der akutstationären Pflege abgebaut worden seien. Die damit verbundene Senkung der Zahl qualifizierter Pflegekräfte habe bereits zu erheblichen Verlusten in der Patientenversorgung geführt. Gleichzeitig seien die Pflegekräfte in den Kliniken mit einer deutlichen Zunahme älterer, multimorbider Patienten konfrontiert, was zwangsläufig auch einen erhöhten Pflege- und Versorgungsbedarf zur Folge habe.

„Wir haben schon längst das Maximum erreicht, was den Pflegenden noch zugemutet werden kann. Hohe krankheitsbedingte Ausfallzeiten durch dauerhafte Überlastung, sinkende Motivation durch schlechte Arbeitsbedingungen, Flucht aus dem Beruf auf Grund wenig attraktiver Vergütungsstrukturen sind unübersehbare Spuren der rigorosen Sparpolitik der Vergangenheit“, erklärt Bechtel. „Jetzt sollen weiter Kosten reduziert werden, was sicherlich wieder auf dem Rücken des Pflegepersonals ausgetragen wird.“
Zusätzlich würden viele Kliniken planen, ein Teil der ärztlichen Aufgaben auf das Pflegepersonal zu übertragen, um auf diese Weise ihr Budget zu entlasten. „Dies führt unweigerlich zu weiteren Überlastungssituationen im Alltag von Pflegenden – verbunden mit hohen Risiken für die Patienten.“ Der Verband BALK ruft daher aus Verantwortung für die Mitarbeiter in der Pflege und der den Pflegenden anvertrauten Patienten alle Verantwortlichen in der Politik und Gesellschaft auf, den nicht mehr zu vertretenden Personalabbau in der Pflege endlich zu stoppen.
Hierzu sei auch zwingend das G-DRG-System nachzubessern. „Die Abbildung des steigenden Pflegeaufwandes innerhalb der Krankenhaus-Fallpauschalen durch die Einführung geeigneter Assessmentinstrumente führt zu transparenten und nachvollziehbaren Grundlagen für die Personalbedarfsbemessung. Arbeitsbedingungen und Vergütung müssen eine deutliche Verbesserung erfahren, um eine weitere Flucht aus einem immer unattraktiver werdenden Beruf zu verhindern“, betont Bechtel.




Verband Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Pflegepersonen e.V. (BALK) – ein KurzporträtBALK ist ein Bundesverband der Leitenden Pflegepersonen aus Krankenhäusern, stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen aus der gesamten Bundesrepublik, in dem über 1.000 Pflegedienstleitungen zusammengeschlossen sind. Der Verband BALK ist eine Interessensvertretung der Leitenden Pflegepersonen in der gesundheitspolitischen Diskussion. Der Verband setzt gesetzlich übertragene Aufgaben in allen Bereichen des Gesundheitswesens um und unterstützt seine Mitglieder durch individuelle Beratung. Zweiter Vorsitzender ist Peter Bechtel, Pflegedirektor, Herz-Zentrum, Bad-Krozingen.Der Verband ist Gründungsverband des Deutschen Pflegerates (DPR) und stellt bereits in der dritten Legislaturperiode die Präsidentin des Deutschen Pflegerates, Marie-Luise Müller.

Ansprechpartner: Geschäftsführerin Sabine Girts
Salzufer 6
10587 Berlin
Telefon: 030 - 44 03 76 93
Mobil 0177 - 68 64 037
Telefax: 030 - 44 037 696
eMail: berlin@balkev.de
Internet: http://www.balkev.de



zurück Zurück zu Aktuelles und Termine