Operation gelungen, Patient in Not


Patienten und Pflege werden die finanziellen Risiken der geplanten Gesundheitsreform tragen müssen. Der Politik ist es erneut nicht gelungen, eine finanziell sich selbst tragende Gesundheitsreform auf den Weg zu bringen. Das erklärte Hedwig Francois-Kettner, die Pflegedirektorin im größten deutschen Universitätsklinikum, der Charité, am Freitag in Berlin. Sie ruft deswegen im Namen der im VPU organisierten 33 organisierten deutschen Universitäts-Pflegedirektoren die Pflegekräfte öffentlich dazu auf, sich am bundesweiten Protesttag gemeinsam mit Ärzten und Verwaltungsangestellten am 4. Dezember zu beteiligen.

Zwar weisen viele der Reformideen aus Sicht des VPU durchaus in die richtige Richtung. Doch die bestehende Finanzierungslücke soll wie üblich auf Patienten und Pflege abgewälzt werden: Steigende Beiträge und drastischer Personalabbau im Pflegebereich waren schon bislang probate Mittel, um wirtschaftstheoretische Experimente am lebenden Patienten zu vollziehen. Der Finanzierungslücke einer Reform folgten bislang stets Lücken im Patientenportemonnaie und Lücken in den Pflegeteams. Auf die Risiken dieser Lückenbildung weisen internationale Studien zur Genesungseffizienz eindringlich hin. Geringe Pflegekapazitäten bedeuten regelmäßig: mehr Krankheitskomplikationen, längere Krankenhausaufenthalte, vermehrte Arbeitsunfälle, höhere Arbeitsausfälle – kurz: Qualitätsverluste und Kostenexplosion.

Die Pflegedirektoren im VPU unterstreichen den Bedarf an effizienzsteigernden und kostensenkenden Maßnahmen im Gesundheitswesen. Sie selbst waren bislang Motor und Manager von Strukturveränderungen in ihren Universitätsklinika. Sie haben dafür gesorgt, dass der erhebliche Personalabbau durch moderne Organisations- und Pflegekonzepte nicht zu Lasten von Pflegequalität und Fachaufsicht ging. Doch wer den Leistungsgedanken in unseren Krankenhäusern weiterhin ausbauen möchte, kann nicht regelmäßig und nur einseitig die Leistungsvoraussetzungen hierfür kappen. Die Belastungsgrenzen sind erreicht und zum Teil schon überschritten.

Deswegen setzt sich der VPU dafür ein, dass die Effizienz im Gesundheitswesen gestärkt wird – ohne Qualitätsmaßstäbe aufzugeben. Einseitige Kostenreduktionen unter billigender Inkaufnahme von fachlicher Minderleistung lehnen wir ab.

v.i.S.d.P.: Ricarda Klein, Erste Vorsitzende des Verbands der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätsklinika in Deutschland e.V. (VPU), c/o Direktion für Pflege- und Patientenorganisation, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52, 20246 Hamburg, Telefon 040 / 4 28 03 38 50.



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