BALK Schleswig-Holstein fordert von den Ärzten einen Beitrag zur Zukunftssicherung der Krankenhäuser

Pflege ist bereit zur Übernahme von neuer Verantwortung und Optimierung der Krankenversorgung


Nach dreimonatigem Ärztestreik an den Universitätskliniken geht nun auch der Streik an den kommunalen Krankenhäusern bereits in die fünfte Woche. Dies führt zu einer starken Belastung der Patienten, die um ihre zeitnahe Versorgung bangen und deutliche Einschränkungen in Kauf nehmen müssen. Aber auch die nicht-ärztlichen Berufsgruppen im Krankenhaus sehen sich durch die fortwährenden Streiks in Ihren Bemühung zur Erhaltung der Krankenhäuser behindert. Viele Krankenhäuser in Schleswig-Holstein kämpfen ums Überleben. Häufig haben Mitarbeiter durch Lohnverzicht und ähnliche Maßnahmen zur Sicherung des Krankenhausbetriebes beigetragen. Durch die Streiks der Ärzte müssen nun kostspielige Ertragseinbußen verkraftet werden.

Dabei sind bereits durch den vorliegenden Abschluss mit ver.di deutliche Verbesserungen für die Ärzteschaft erreicht worden. Bereits hierfür besteht durch die aktuelle Krankenhausfinanzierung mit jährlichen Budgetsteigerungen von 0,63% keine entsprechende Gegenfinanzierung. Für die Krankenhäuser führt dies zu existenziellen Problemen. Schon heute ist absehbar, dass die Streikfolgen die Schließungen weiterer Krankenhäuser und den Trend zur Privatisierung öffentlicher Kliniken beschleunigen.

Für die Arbeitsgemeinschaft Leitender Pflegekräfte (BALK SH) stellt sich die Frage, wie die in öffentlicher Hand verbliebenen Kliniken die entstehenden Mehrkosten ohne entsprechende Gegenfinanzierung aufbringen werden können. Insbesondere der Pflegedienst hat in den vergangenen Jahren durch einen eklatanten Personalabbau bereits einen deutlichen Beitrag zur Kostensenkung beigebracht. Beinahe 7% der pflegerischen Stellen sind in Schleswig-Holstein alleine in den Jahren 2000 bis 2004 abgebaut worden. Infolge dessen ist die Arbeitsbelastung für die Pflegekräfte deutlich gestiegen - ohne finanzielle Gegenleistung. Parallel hierzu stieg die Zahl der in schleswig-holsteinischen Krankenhäusern beschäftigten Ärzte im selben Zeitraum um mehr als 7% (Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 12, Reihe 6.1).

Eine aus den aktuellen Ärztestreiks wahrscheinlich resultierende höhere Vergütung muss daher zwingend aus dem ärztlichen Personalkostenbudget gegenfinanziert werden. Dies kann nur durch eine effektivere Leistungserbringung der Ärzte und durch eine Verlagerung von Tätigkeiten an andere Berufsgruppen erreicht werden. Längst nicht alle der heute durch die Ärzteschaft erbrachten Tätigkeiten müssen zwangsläufig durch einen Arzt durchgeführt werden.





Für die BALK SH ergibt sich daraus eine deutliche Verlagerung von derzeitig dem Arzt vorbehaltenen Tätigkeiten auf andere Berufsgruppe, insbesondere der Pflege. Die Pflege hat sich hierfür in den vergangenen zwei Jahrzehnten neu aufgestellt und ist durch einen gute Qualifikation und eine optimierte Organisation auf die Übernahme weiterer Verantwortung gut vorbereitet. In naher Zukunft wird es daher zu einer Verlagerung von Arztstellen zugunsten der Pflege kommen müssen.

Dass dieses bei gleichzeitiger Verbesserung der Patientenversorgung möglich ist, zeigen zahlreiche Beispiele aus dem Ausland. Beinahe alle europäischen Länder haben eine niedrigere Arztdichte als Deutschland, bei gleichen bis besseren Gesundheitsergebnissen. Ausschlaggebend hierfür ist meist eine bessere Koordination der am Patienten zu erbringenden Tätigkeiten und eine höhere Verantwortungsübernahme durch die Pflege.

Hier sieht die BALK SH die eigentliche Chance. Der Ärztestreik kann der Initiator sein um die Strukturen im Krankenhaus effektiver und kostengünstiger aufzustellen. Die Diskussion muss dazu aber über die Belastung und die angebliche Geringbezahlung der Ärzteschaft hinaus ausgeweitet werden. Insbesondere gilt es, die Bereitschaft für moderne Strukturen zu zeigen und wieder den Schulterschluss mit allen im Krankenhaus vertretenen Berufsgruppen zu suchen.




B. Schulte

Vorstand der BALK Landesgruppe Schleswig-Holstein


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